Was kostet nachhaltiger & wertvoller Tourismus?

Das buddhistische Königreich Bhutan ist ein Land ohne Massentourismus, wo das Bruttonationalglück der Indikator für die Lebensqualität seiner Bewohner ist und nicht die ständige Gewinnmaximierung. Es ist ein Land mit unberührter Natur und alten Traditionen, die immer noch geehrt werden. Das macht Reisen in Bhutan einzigartig und besonders.

Zum Schutz der Natur, Kultur und der Traditionen ist der Tourismus staatlich geregelt und reguliert. Mit dem von der Regierung vorgeschriebenen Tourismustarif von mind. US$ 250 pro Person/Tag (mind. US$ 200 in der Nebensaison) bezahlt man nicht für Luxus, sondern um dieses einmalige Land überhaupt besuchen zu können. In diesem Tagestarif (Minimum Daily Package Rate) waren Übernachtung im 3-Sterne-Hotels, privater Transport, Fahrer und Guide, Trekking, Eintrittsgelder, Mahlzeiten und eine Tourismusabgabe SDF (Sustainable Development Fee) von US$ 65 enthalten. Die SDF war ein Grund warum Bhutan verglichen mit anderen asiatischen Ländern verhältnismäßig teuer war.


Erhöhung der Tourismusabgabe (SDF) in Bhutan

Nach der Parlamentssitzung Ende Juni 2022 verkündigte Bhutan, die bisherige SDF von US$ 65 auf US$ 200 pro Nacht zu erhöhen. Zudem wurde die bisherige Aufhebung der SDF ab der 15. Übernachtung gestrichen. Mit diesem Entscheid der bhutanischen Regierung wird ab sofort jede Bhutan Reise um mind. US$ 135 pro Übernachtung teurer bzw. ab der 15. Übernachtung sogar um mind. US$ 200.


Sinn & Zweck der SDF

„COVID-19 ermöglichte uns über einen Umbau des Tourismussektors nachzudenken. Wie kann er besser strukturiert werden kann, damit er nicht nur wirtschaftlich ist, sondern den sozialen Fußabdruck möglichst gering hält“, ließ Bhutans Außenminister Tandi Dorji in den Medien verlauten. Mit der erhöhten SDF, die direkt an den Staat abgeführt wird, setzt das Land verstärkt in Maßnahmen für einen klimaneutralen Tourismus, in ökologische und strukturelle Projekte, in bessere Ausbildung und gut bezahlte Arbeitsplätze.

Bhutans Philosophie von Tourismus ist seit jeher „Low volume, high value“. Man möchte Massentourismus vermeiden, dafür den wenigen Besuchern ein «wertvolles» und einzigartiges Erlebnis bieten. Andererseits sorgt der Staat dafür, daß das Land und seine Menschen vom Tourismus profitieren. Mit der grossen Erhöhung geht man den bereits eingeschlagenen Weg „Low volume, high value“ weiter.


Auswirkungen auf die Reisekosten & das Reiseverhalten

Die Auswirkungen auf die Reisekosten sind nicht unbedeutend. Mit der Erhöhung der SDF wurde gleichzeitig die Tagespauschale „Minimal Daily Package Rate“ aufgehoben. Somit kommen zur SDF weitere Kosten für Unterkünfte/Hotels, Mahlzeiten, Transport/Fahrzeug, Lohn für Fahrer und Guide, Eintrittsgebühren, Kosten für Begleitmannschaft, Tragetiere, Campingausrüstung und vieles mehr noch hinzu.

Experten rechnen mit einem starken Rückgang an Bhutan Reisen und mit einer kürzeren Reisedauer im Land, die vornehmlich im bereits touristischen Dreieck Paro-Thimphu-Punakha verbracht wird. Viele Einheimische sehen die Erhöhung kritisch, denn der Tourismus war vor Corona ein wichtiger Wirtschaftszweig. Viele Arbeitsplätze sind gefährdet und Regionen abseits der üblichen Touristenwege wie Ostbhutan, der Süden, abgelegene Täler wie Lhuentse haben das Nachsehen. Aber vielleicht profitieren unsere Homestays, Farmstays und Heritage Houses mit ihren günstigeren Übernachtungstarifen und ihrem besonderen Erlebniswert. Es wäre wünschenswert, damit auch sie ein wenig von der neuen „Gewinnmaximierung“ des Landes profitieren.

Für Menschen, die sich eine Bhutan Reise leisten können, wird das Königreich ein ganz besonderes Erlebnis sein und mit deutlich weniger Besuchern. Man ist mit den Einheimischen ganz unter sich!


Offizielle Mitteilung zur Einführung der SDF

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